Martin Walser – Ein fliehendes Pferd

»Einem fliehenden Pferd kannst du dich nicht in den Weg stellen. Es muß das Gefühl haben, sein Weg bleibt frei. Und: ein fliehendes Pferd läßt nicht mit sich reden.«

Martin Walsers 1978 erstmals erschienene Novelle Ein fliehendes Pferd stellte einen Zäsur in der Karriere des damals zwar bekannten, aber immer noch von außerliterarischen Arbeiten abhängigen Schriftstellers dar (Magenau 2005). Der 150-Seiter verhalf Walser mit einem Bestseller-Erfolg  zur finanziellen Unabhängigkeit und brachte ihm großes Lob bei sämtlichen Feuilletonisten ein, allen voran Marcel Reich-Ranicki höchstpersönlich.

Helmut und Sabine Halm verbringen ihren Urlaub gemeinsam mit Hund Otto wie jedes Jahr seit 11 Jahren in der immer gleichen Ferienwohnung am Bodensee. Ihre Beziehung ist schon vor Jahren schier unwiederbelebbar eingeschlafen und die einzige Freude, die sie noch miteinander teilen, ist die allabendliche Flasche Wein. Bei einem abendlichen Stadtbummel treffen sie zufällig die Buchs. Klaus Buch ist ein alter Schulkamerad von Helmut, der mit seiner 18 Jahre jüngeren Frau nur unweit von den Halms ebenfalls seinen Urlaub genießt. Klaus ist das Gegenteil von Helmut – jung geblieben, abenteuerlustig, draufgängerisch – und Helmut entgeht nicht, dass Sabine wohl auch lieber einen wie Klaus daheim hätte. Die Männer stehen sich hier jedoch nur scheinbar als Antagonisten gegenüber, denn eigentlich sitzen sie im selben – hier nicht nur sprichwörtlichen – Boot.

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John Irving – Das Hotel New Hampshire

Das Hotel New Hampshire, 1981 als fünfter Roman des amerikanischen Kult-Autors erschienen, ist bislang mein erster (und zu mindest für eine Weile auch letzter) Irving. Der Roman erzählt von der Familie Berry, bestehend aus den beiden Eltern und 5 Geschwistern, deren Familiengeschichte maßgeblich durch des Vaters Obsession von der erfolgreichen Führung eines eigenen Hotels geprägt ist.

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Margarete Stokowski – Untenrum frei

In ihrer 2016 erschienenen feministischen Essay-Sammlung Untenrum frei beschäftigt sich Margarete Stokowski mit der Frage wie es der Menschheit gelingen kann “untenrum frei” (in unserer Geschlechtswahrnehmung und Sexualität frei) zu werden. Sie stellt dabei die These auf, dass dies nur möglich sei, wenn wir uns “obenrum freimachen” (von kulturellen Normen und Sozialisation). Alle Essays hintereinander sollen eine Art Biografie des Frauwerdens darstellen, die teilweise durch Stokowskis Leben inspiriert und teilweise erfunden ist.

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Vladimir Nabokov – Pnin

Seit meiner Lektüre von Lolita brenne ich darauf meinen nabokovschen Horizont zu erweitern, aber bei insgesamt 19 Romanen fiel die Entscheidung schwer. Schließlich wählte ich Pnin als meine zweite Lektüre aus Nabokovs Feder und gewährte dem relativ kurzen Roman unverzüglich nach Beendigung Einzug in mein Favoriten-Regal. Pnin hat mich wahrlich begeistert.

Als wir die Hauptfigur Timofey Pnin das erste mal treffen, ist der russische Migrant im Exil Professor an einem fiktiven amerikanischen College Namens Waindall. Seine Person polarisiert: für die einen ist Pnin ein verschrobener, aber liebenswerter komischer Kauz, für die anderen eine unerträglich peinliche Erscheinung

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T. C. Boyle – Die Terranauten

T. C. Boyles neuster Roman Die Terranauten erschien erstmals auf Deutsch 2017 im Hanser-Verlag. Es geht um ein sowohl soziales als auch biologisches Experiment, bei dem 8 Wissenschaftler (4 Männer und 4 Frauen) für zwei Jahre in ein geschlossenes Ökosystem (genannt E2) gesperrt werden und darin vollkommen autark überleben sollen. Dieses Experiment wird finanziert und organisiert von Mission Control, einem Unternehmen, das jeden biologischen und sozialen Aspekt dieser Mission kontrolliert.

Ziel des Experiments ist das Öffnen der Luftschleuse zu verhindern – nichts hinein und nichts hinaus zu lassen – um die Machbarkeit einer solchen Lebensweise in einer lebensfeindlichen Umgebung wie dem Mars zu simulieren. Daher nennen sich die Wissenschaftler auch Terranauten.

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Dietmar Dath – Karl Marx

Karl Marx  von Dietmar Dath erschien 2018 in der neuen Reclam Reihe 100 Seiten, die laut Verlag auf genau 100 Seiten eine Einführung zu “aktuellen Themen für einen schnellen Überblick” (Quelle) geben soll. Diese Einführungen versprechen “persönlich geschrieben, modern gestaltet, unterhaltsam präsentiert” zu sein (Quelle). Vermutlich hätte ich mich beim Spontankauf von ersterem Versprechen bereits abschrecken lassen sollen, dem einzigen der drei übrigens, das vom Autor rigoros eingehalten wurde.

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S. E. Hinton – The Outsiders

 

“They grew up on the outside of society. They weren’t looking for a fight. They were looking to belong.”

“Stay gold, Ponyboy, stay gold.”

“Get smart and nothing can touch you.”

Ponyboy (14), der wirklich so heißt, lebt zusammen mit seinen beiden Brüdern. Ihre Eltern sind gestorben und das einzige, was den Brüdern Halt gibt, ist ihre Zugehörigkeit zur Straßenbande der “Greasers”. Sie sind verfeindet mit einer Bande, die sich “Socs” nennt und deren Mitglieder aus besseren Verhältnissen kommen. Als ein Greaser einen Soc tötet, gerät alles aus den Fugen und Ponyboys Welt droht in sich zusammen zu brechen.

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Emily Ruskovich – Idaho

“Sterben bedeutet nur, sich zu erinnern, dass man stirbt.”

Eine Familie, Mutter, Vater und die beiden Töchter, gehen an einem heißen Spätsommertag Feuerholz hacken. Doch ein Furchtbares Ereignis zerstört die Idylle, ein Ereignis in das die jüngste Tochter, die Mutter und ein Beil involviert sind. Der Vater Wade ist nun allein auf der Welt, seine Frau im Gefängnis, seine jüngste Tochter tot und die ältere Tochter seither unauffindbar. Mit Ann seiner neuen Frau versucht er weiter zu machen, sein Leben nun gezeichnet von Verlust – sowohl seiner Familie als auch seines Gedächtnisses, das er aufgrund einer Frühdemenz nach und nach vollkommen verliert.

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