{"id":682,"date":"2019-02-03T20:08:24","date_gmt":"2019-02-03T19:08:24","guid":{"rendered":"https:\/\/insipid.de\/?p=682"},"modified":"2019-06-04T22:59:18","modified_gmt":"2019-06-04T20:59:18","slug":"john-irving-das-hotel-new-hampshire","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/insipid.de\/?p=682","title":{"rendered":"John Irving &#8211; Das Hotel New Hampshire"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-701 aligncenter\" src=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG_2697web.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1333\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG_2697web.jpg 2000w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG_2697web-300x200.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG_2697web-768x512.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG_2697web-700x467.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG_2697web-960x640.jpg 960w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG_2697web-1400x933.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-378 aligncenter\" src=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-Sterneb.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"15\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-Sterneb.jpg 2670w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-Sterneb-300x49.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-Sterneb-768x125.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-Sterneb-700x114.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-Sterneb-960x156.jpg 960w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-Sterneb-1400x228.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 100px) 100vw, 100px\" \/><\/p>\n<p><em>Das Hotel New Hampshire,<\/em>\u00a01981 als\u00a0f\u00fcnfter Roman des amerikanischen Kult-Autors erschienen, ist bislang mein erster (und zu mindest f\u00fcr eine Weile auch letzter) Irving. Der Roman erz\u00e4hlt von der Familie Berry, bestehend aus den beiden Eltern und 5 Geschwistern, deren Familiengeschichte ma\u00dfgeblich durch des Vaters Obsession von der erfolgreichen F\u00fchrung eines eigenen Hotels gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><!--more--><\/p>\n<p>Die Eltern, die beide aus dem gleichen Dorf in New Hampshire stammen, lernen sich als Teenager bei einem Ferienjob in einem Hotel in Maine lieben, heiraten und bekommen schlie\u00dflich 5 Kinder. Der Vater arbeitet wie schon sein Vater davor als Lehrer an der lokalen High School, bis er seinen Job k\u00fcndigt, um seinen Traum vom eigenen Hotel zu verwirklichen. Nachdem das erste Hotel New Hampshire sich als Reinfall auf ganzer Linie entpuppt, nimmt der Vater seine Familie mit nach Wien zu einem alten Freund, um dort das zweite Hotel New Hampshire zu er\u00f6ffnen und zum Erfolg zu f\u00fchren. Hier nimmt die Geschichte mit verkleideten B\u00e4ren, Prostituierten und linksradikalen Nachbarn seinen absurden Lauf.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlt wird die Geschichte vom mittleren Sohn John, dem wie er selbst von sich behauptet \u00bbam wenigsten voreingenommenen\u00ab der Kinder, der nun die \u00bbTatsachen ins rechte &#8211; oder fast rechte &#8211; Licht\u00ab r\u00fccken will (S. 10). Wir haben es also mit einer subjektiv gef\u00e4rbten Perspektive und einem vermutlich unzuverl\u00e4ssigen Erz\u00e4hler zu tun. Das wirkt sich jedoch leider nicht sp\u00fcrbar auf Geschichte oder Charakterisierung von Figuren aus, da ist noch viel Raum f\u00fcr Experimente mit der Erz\u00e4hlperspektive.<\/p>\n<p>Insgesamt sind die Charaktere eine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung, Irving bedient sich hier nahezu ausschlie\u00dflich ausgelutschter Stereotypen. Frank, der \u00e4lteste der f\u00fcnf, verk\u00f6rpert den exzentrischen Schwulen, der sich gern verkleidet (vor allem nat\u00fcrlich mit Uniformen aller Art) und sein Leben lang von anderen als Au\u00dfenseiter identifiziert wird. Franny, die zweit\u00e4lteste, ist die typische wilde Natursch\u00f6nheit, von der alle Jungs &#8211; inklusive des kleinen Bruders &#8211; irgendwie grundlos fasziniert sind. Als Erwachsene wird sie Filmstar. Johns kleine Schwester Lily h\u00f6rt irgendwann auf zu wachsen und betrachtet ihre geringe K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe zeitlebens als Makel, ist \u00fcberm\u00e4\u00dfig selbstkritisch und wird als erwachsene Schriftstellerin, die ihren eigenen Bestseller hasst. Der Vater der Familie kriegt vor lauter beruflicher Obsession kaum etwas in der Familie mit.<\/p>\n<p>Noch viel unverzeihlicher jedoch finde ich Irvings Vernachl\u00e4ssigung der Mutter und des j\u00fcngsten Bruder in Bezug auf ihre charakterliche Entwicklung. Man kann nur spekulieren ob Irving sich die M\u00fche nicht machen wollte, weil die beiden Charaktere ohnehin nach der H\u00e4lfte der Geschichte sterben. Keine Sorge, dieser (Nicht-)Spoiler ist so irrelevant, dass er in der Geschichte nur in einem Nebensatz abgehandelt wird.<\/p>\n<p>Der Plot ist gepr\u00e4gt von Wahnwitz: die Adoption des B\u00e4ren Namens State O&#8217; Maine durch das junge Ehepaar Berry, die Benennung des j\u00fcngsten Kindes in &#8220;Egg&#8221;, das Zusammenleben im zweiten Hotel New Hampshire mit Prostituierten und Links-Autonomen, die der Familie irgendwann zum Verh\u00e4ngnis werden. Hinzu kommen schwere Themen wie Tod, Vergewaltigung und Inzest. Wer als Leser normale Reaktionen auf normale (oder auch weniger normale)\u00a0Sachverhalte sch\u00e4tzt, ist bei\u00a0<em>Hotel New Hampshire<\/em> an der falschen Adresse. Die meiner Meinung nach \u00fcberzogene Absurdit\u00e4t der Geschichte machte das Buch teilweise unnahbar f\u00fcr den Leser und f\u00fchrte bei mir dazu, dass ich das Buch in mehrt\u00e4gigen Lesepausen fast vollkommen verga\u00df und es mich nicht dr\u00e4ngte es wieder in die Hand zu nehmen.<\/p>\n<p>Positiv aufgefallen sind mir jedoch einige Motive, die mich teilweise wirklich bewegt haben. Das Motto der Geschwister \u00bbBleib weg von offenen Fenstern!\u00ab mit dem sie sich stets auch in schweren Zeiten gegenseitig Mut zusprachen oder Opa Bobs Feststellung \u00bb<em>Nichts\u00a0<\/em>bewegt sich hier im Hotel New Hampshire! Wir sind hier festgeschraubt &#8211;\u00a0<em>lebensl\u00e4nglich<\/em>!\u00ab (S. 181), was urspr\u00fcnglich auf die festgeschraubten M\u00f6bel des Hotels anspielte, jedoch bald zu einer\u00a0gefl\u00fcgelten Bezeichnung der Zust\u00e4nde wurde. Besonders aber hat mich die Figur Kummer ber\u00fchrt. Kummer ist der Familienhund, der wegen seiner \u00a0furchtbaren Bl\u00e4hungen eingeschl\u00e4fert wird, die Familie aber nie wirklich verl\u00e4sst. Frank stopft ihn aus, auch Kummer wird danach wie alles im Hotel \u00a0festgeschraubt<em>.\u00a0<\/em>Kummer stellt hier das personifizierte Leiden der Familie dar, das nie wirklich weggeht, quasi an ihnen festgeschraubt ist.<\/p>\n<p>Insgesamt sehe ich im\u00a0<em>Hotel New Hampshire\u00a0<\/em>eine Menge Potential, das leider unausgesch\u00f6pft blieb. Ich kann nicht sagen, dass es mir nicht gefallen hat, ich bin ein Fan starker Motive und Symbole, aber aufgrund der schieren Unfassbarkeit, die die Geschichte maskierte, habe ich leider das Gef\u00fchl, dass mir das Herz des Werkes verschlossen blieb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Hotel New Hampshire,\u00a01981 als\u00a0f\u00fcnfter Roman des amerikanischen Kult-Autors erschienen, ist bislang mein erster (und zu mindest f\u00fcr eine Weile auch letzter) Irving. Der Roman erz\u00e4hlt von der Familie Berry, bestehend aus den beiden Eltern und 5 Geschwistern, deren Familiengeschichte ma\u00dfgeblich durch des Vaters Obsession von der erfolgreichen F\u00fchrung eines eigenen Hotels gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14,8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/insipid.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/682"}],"collection":[{"href":"https:\/\/insipid.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/insipid.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/insipid.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/insipid.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=682"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/insipid.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/682\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":703,"href":"https:\/\/insipid.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/682\/revisions\/703"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/insipid.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/insipid.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/insipid.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}