{"id":622,"date":"2018-07-23T14:14:22","date_gmt":"2018-07-23T12:14:22","guid":{"rendered":"https:\/\/insipid.de\/?p=622"},"modified":"2019-06-04T22:59:18","modified_gmt":"2019-06-04T20:59:18","slug":"dietmar-dath-karl-marx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/insipid.de\/?p=622","title":{"rendered":"Dietmar Dath &#8211; Karl Marx"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-632\" src=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_599111web.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1188\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_599111web.jpg 2000w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_599111web-300x178.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_599111web-768x456.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_599111web-700x416.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_599111web-960x570.jpg 960w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_599111web-1400x832.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-340 aligncenter\" src=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/1-Sternb.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"15\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/1-Sternb.jpg 2670w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/1-Sternb-300x49.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/1-Sternb-768x125.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/1-Sternb-700x114.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/1-Sternb-960x156.jpg 960w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/1-Sternb-1400x228.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 100px) 100vw, 100px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Karl Marx\u00a0<\/em> von Dietmar Dath erschien 2018 in der neuen Reclam Reihe\u00a0<em>100 Seiten,\u00a0<\/em>die laut Verlag auf genau 100 Seiten eine Einf\u00fchrung\u00a0zu &#8220;aktuellen Themen f\u00fcr einen schnellen \u00dcberblick&#8221; (<a href=\"https:\/\/www.reclam.de\/reclam_100_seiten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle<\/a>) geben soll. Diese Einf\u00fchrungen versprechen &#8220;pers\u00f6nlich geschrieben, modern gestaltet,\u00a0unterhaltsam pr\u00e4sentiert&#8221; zu sein (<a href=\"https:\/\/www.reclam.de\/reclam_100_seiten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle<\/a>). Vermutlich h\u00e4tte ich mich beim Spontankauf von ersterem Versprechen bereits abschrecken lassen sollen, dem einzigen der drei \u00fcbrigens, das vom Autor rigoros eingehalten wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><!--more--><\/p>\n<p>Dath beginnt seinen Beitrag mit einem Kapitel, dass er &#8220;Von Wut zum Wissen&#8221; nennt, in dem er jedoch mehr \u00fcber seine eigenen philosophischen Gedanken zum Thema\u00a0<em>Wut\u00a0<\/em>palavert und uns Anekdoten aus seiner Schulzeit erz\u00e4hlt, als dass er tats\u00e4chlich \u00fcber Marx und seine Lehre informiert. Im zweite Kapitel &#8220;Von den Ideen zur Praxis&#8221; gibt er dann seine Kenntnisse der hegelschen Lehre zum Besten und betreibt flei\u00dfig Namedropping diverser wichtiger Denker der Menschheitsgeschichte. Er schafft es dabei zwischendurch sogar 6 Seiten am St\u00fcck die Hauptfigur Marx nicht einmal zu am Rande erw\u00e4hnen (man bedenke, dass dies in diesem Fall 6% des Buches ausmacht). Wer dann auf Seite 67 von 100 noch nicht eingeschlafen ist, kann sich im Kapitel &#8220;Vom Kapitalismus zum Kommunismus&#8221; darauf freuen, dass es thematisch endlich ein bisschen zur Sache geht. Allerdings rate ich dringend von vorzeitiger Freude dar\u00fcber ab, denn der eigentlichen marxschen Lehre werden hier nicht einmal 23 Seiten gewidmet, von denen einige vollkommen bebildert sind. Die restlichen 10% des Buches bestehen aus pers\u00f6nlichen Einsch\u00e4tzungen des Autors \u00fcber die politische Situation post-marxscher Regime, die sich selbst als kommunistisch einstufen. M\u00e4h.<\/p>\n<p><em>Pers\u00f6nlich\u00a0<\/em>scheint hier das Stichwort zu sein, denn mit einer tats\u00e4chlichen strukturierten Einf\u00fchrung in das Thema\u00a0<i>Marx\u00a0und seine Lehre\u00a0<\/i>hat dieses Buch rein gar nichts zu tun. An dieser Stelle w\u00fcrde eine Titel\u00e4nderung in\u00a0<i>Beliebiges\u00a0Geschreibsel entfernt inspiriert durch Karl Marx und seine Lehre\u00a0<\/i>mit\u00a0einigen falschen Erwartungen potenzieller\u00a0Leser aufr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Des weiteren habe ich mich bez\u00fcglich der Menge an Inhalt betrogen gef\u00fchlt. Die tats\u00e4chliche Schreibleistung von Dietmar Dath bel\u00e4uft sich auf grob gesch\u00e4tzt 70%. Bilder f\u00fcllen ganze Seiten, unn\u00f6tige Illustrationen nehmen Platz weg, teilweise werden ganze Abs\u00e4tze einfach von Marx oder sonstigen Autoren abgeschrieben. Und die werden dann noch nicht einmal fachgerecht zitiert, nur wenn man Gl\u00fcck hat findet man im Flie\u00dftext einen Hinweis darauf, welchem Werk das Zitat entnommen wurde.\u00a0Insgesamt bleibt es dem Leser ein R\u00e4tsel wo Dath all die Informationen her hat, denn Quellenangaben sucht man in diesem Buch vergeblich. Es gibt lediglich eine Liste an &#8220;Literaturtipps&#8221;. Auch wenn dies kein wissenschaftlicher Text ist, halte ich es nicht f\u00fcr zu viel verlangt ein Mindestma\u00df an Transparenz einzuhalten, aber von Wissenschaft scheint Dath ohnehin nicht viel zu verstehen, denn er nennt sie bereits auf der ersten Seite eine &#8220;gesellschaftliche Veranstaltung&#8221;.<\/p>\n<p>Abgesehen von schlechter Betitelung und einem fehlenden roten Faden halte ich jedoch auch Daths Schreibstil f\u00fcr eine Katastrophe gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfes. Sich teilweise \u00fcber eine halbe Seite erstreckende hypotaktische Satzgef\u00fcge machen das Buch stellenweise unlesbar. Sogar Heinrich von Kleist sieht neben Daths syntaktischer Odyssee blass aus. Hier eine Kostprobe:<\/p>\n<p style=\"text-align: center; font-size: 14px; margin-left: 90px; margin-right: 90px;\"><em>Gegenst\u00e4nden der abstrakten Re\ufb02exion \u00fcber Irrtum und Wahrheit, die Marx und Engels ermittelten, war die zwischen Idealismus und Materialismus selbst, in der Entwicklung von den franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rern \u00fcber Hegel bis zu Feuerbach: Aus dem Umstand, dass die Raupe kein Schmetterling ist, folgt nicht, dass sie keiner werden kann, und aus dem Umstand, dass Hegel sich irrte, als er schrieb, die menschliche Geschichte richte sich nach Ideen wie etwa dem Bewusstsein der Freiheit, w\u00e4hrend sie das in Wirklichkeit nicht tut, weil sie viel eher Goethes \u00bbMischmasch von Irrtum und Gewalt ist\u00ab, folgt eben nicht, dass die menschliche Geschichte sich niemals dahingehend ver\u00e4ndern k\u00f6nnte, dass sie sich pl\u00f6tzlich doch nach Ideen richtet &#8211; indem es n\u00e4mlich in fortschrittlichen Epochen die Menschen selbst sind, die ihre Geschichte geleitet von Ideen neu einrichten k\u00f6nnen. (Dath 2018: S. 47)<\/em><\/p>\n<p>Das ist ein Satz mit 130 W\u00f6rtern. Der Median der Satzl\u00e4nge bei wissenschaftlichen Texten liegt bei 19,22 W\u00f6rtern (Pieper 1979: S. 50), der Durchschnitt in der literarischen Prosa bei 19,6 (Best 2002: S. 7-13). Machen Sie mit dieser Information, was Sie wollen. Dies ist allerdings nicht die einzige Peinlichkeit, die sich das reclamsche Lektorat geleistet hat. Flapsige Ausdr\u00fccke wie &#8220;unterm&#8221; statt &#8220;unter dem&#8221; ziehen die pr\u00e4tenti\u00f6sen Satzkonstruktionen des Autors, die ohnehin bestenfalls wie hilfloser Schrei nach intellektueller Anerkennung wirken, vollends ins L\u00e4cherliche.<\/p>\n<p>Insgesamt ist\u00a0<em>Karl Marx\u00a0<\/em>von Dietmar Dath eine Aneinanderreihung arbitr\u00e4rer Informationen, jedoch ungeeignet als strukturierte Einf\u00fchrung zum Thema Karl Marx. Sprachlich und methodisch l\u00e4sst das Werk zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Reclam, ich will mein Geld zur\u00fcck. Euer Name steht f\u00fcr Qualit\u00e4t und es entt\u00e4uscht mich ma\u00dflos, dass ihr derartigen M\u00fcll f\u00fcr publizierbar haltet.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Karl Marx\u00a0<\/strong>|\u00a0<strong>Dietmar Dath\u00a0<\/strong>| Reclam | 100 Seiten<br \/>\nISBN: 9783150204542 | 10,00\u20ac<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: left; font-size: 12px;\"><strong>Literatur:<\/strong><br \/>\nBest, Karl-Heinz (2002): <i>Satzl\u00e4ngen im Deutschen: Verteilungen, Mittelwerte, Sprachwandel<\/i>. In: <i>G\u00f6ttinger Beitr\u00e4ge zur Sprachwissenschaft<\/i> 7, S. 7\u201331<br \/>\nPieper, Ursula (1979): <i>\u00dcber die Aussagekraft statistischer Methoden f\u00fcr die linguistische Stilanalyse.<\/i> Narr, T\u00fcbingen, S. 50<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Marx\u00a0 von Dietmar Dath erschien 2018 in der neuen Reclam Reihe\u00a0100 Seiten,\u00a0die laut Verlag auf genau 100 Seiten eine Einf\u00fchrung\u00a0zu &#8220;aktuellen Themen f\u00fcr einen schnellen \u00dcberblick&#8221; (Quelle) geben soll. Diese Einf\u00fchrungen versprechen &#8220;pers\u00f6nlich geschrieben, modern gestaltet,\u00a0unterhaltsam pr\u00e4sentiert&#8221; zu sein (Quelle). 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