{"id":575,"date":"2018-04-08T21:31:18","date_gmt":"2018-04-08T19:31:18","guid":{"rendered":"http:\/\/insipid.de\/?p=575"},"modified":"2019-06-04T22:59:18","modified_gmt":"2019-06-04T20:59:18","slug":"emily-ruskovic-idaho","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/insipid.de\/?p=575","title":{"rendered":"Emily Ruskovich &#8211; Idaho"},"content":{"rendered":"<h4><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-584\" src=\"http:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG_5390web.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1393\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG_5390web.jpg 2000w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG_5390web-300x209.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG_5390web-768x535.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG_5390web-700x488.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG_5390web-960x669.jpg 960w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG_5390web-1400x975.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-376 aligncenter\" src=\"http:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/3-Sterneb.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"15\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/3-Sterneb.jpg 2670w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/3-Sterneb-300x49.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/3-Sterneb-768x125.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/3-Sterneb-700x114.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/3-Sterneb-960x156.jpg 960w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/3-Sterneb-1400x228.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 100px) 100vw, 100px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>&#8220;Sterben bedeutet nur, sich zu\u00a0<\/em><i>erinnern, dass man stirbt.&#8221;<\/i><\/p>\n<p>Eine Familie, Mutter, Vater und die beiden T\u00f6chter, gehen an einem hei\u00dfen Sp\u00e4tsommertag Feuerholz hacken. Doch ein Furchtbares Ereignis zerst\u00f6rt die Idylle, ein Ereignis in das die j\u00fcngste Tochter, die Mutter und ein Beil involviert sind. Der Vater Wade ist nun allein auf der Welt, seine Frau im Gef\u00e4ngnis, seine j\u00fcngste Tochter tot und die \u00e4ltere Tochter seither unauffindbar. Mit Ann seiner neuen Frau versucht er weiter zu machen, sein Leben nun gezeichnet von Verlust &#8211; sowohl seiner Familie als auch seines Ged\u00e4chtnisses, das er aufgrund einer Fr\u00fchdemenz nach und nach vollkommen verliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><!--more--><\/p>\n<h4>Spoilerfreie Rezension<\/h4>\n<p>Ich muss gestehen, dass vor allem das wundersch\u00f6ne Cover zun\u00e4chst meine Aufmerksamkeit eingefangen hat. Da ich durchaus eine Vorliebe f\u00fcr dunkle Themen habe, hat mich auch der Klappentext direkt angesprochen und trotz meines extrem hohen Stapels ungelesener B\u00fccher habe ich\u00a0<em>Idaho\u00a0<\/em>von Emily Ruskovic direkt gekauft und angefangen.<\/p>\n<p>Anders, als man vielleicht erwartet, ist dies keine Geschichte \u00fcber die Aufkl\u00e4rung einer Straftat, \u00fcber einen Prozess oder die psychologischen Folgen eines solchen Familiendramas f\u00fcr Angeh\u00f6rige. Tats\u00e4chlich ist\u00a0<em>Idaho<\/em> ein Roman, in dem es mehr oder weniger um nichts handfestes geht. Das ist gleichzeitig auch mein erster Kritikpunkt.<\/p>\n<p>Mir f\u00e4llt es schwer im Nachhinein tats\u00e4chlich festzustellen, was genau die Handlung war, denn insgesamt kommt mir das Buch in seiner Gesamtheit mehr wie eine Collage aus Erinnerungen vor, ohne roten Faden. Die Handlung springt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hin und her, die Kapitel haben jeweils den Namen des aktuellen Jahres. Das kann total super sein, in diesem Fall war es jedoch h\u00e4ufig chaotisch. Obwohl zum Beispiel das Jahr 2024 im Kapitelnamen angek\u00fcndigt war, begegnen einem R\u00fcckblenden in die Vergangenheit, was tats\u00e4chlich etwas wirr und planlos schien.<\/p>\n<p>Wor\u00fcber ich mich gefreut h\u00e4tte w\u00e4re eine psychologische Aufarbeitung des Themas, da jedoch einer der Protagonisten langsam sein Ged\u00e4chtnis verliert, seine Frau ohnehin kaum etwas dar\u00fcber wei\u00df und die T\u00e4terin selber im Gef\u00e4ngnis sitzt und sich nicht dazu \u00e4u\u00dfert, bekommen wir eigentlich keinen echten Einblick in das Ereignis selbst.<\/p>\n<p>Das einzige, was wir bekommen, sind die Gedanken von Wades neuer Ehefrau Ann, die sich versucht aus kleinsten Hinweisen zusammenzureimen wieso alles so gekommen ist, wie es nunmal gekommen ist. WIESO? Das ist vermutlich die essentielle Frage dieses Romans. Die essentiellste aller Fragen, die jedoch hier nicht beantwortet wird. Und vielleicht hat Ruskovic auch das nicht gewollt. Immer wieder h\u00f6rt man ja in den Nachrichten von furchtbaren Verbrechen, die einen Fragen lassen &#8220;WIESO?&#8221;, aber niemand kann einem je eine befriedigende Antwort darauf geben. Und genauso wenig bekommen wir diese Antwort in\u00a0<em>Idaho.<\/em><\/p>\n<p>Insgesamt war es eine interessante, aber auch zutiefst unbefriedigende Lekt\u00fcre. Gest\u00f6rt hat mich die unstringente Erz\u00e4hlweise. Den Schreibstil empfand ich als etwas zu gewollt poetisch. Insgesamt gab es kein greifbares Thema. Alles drehte sich mehr oder weniger um das Beil-Ereignis, aber eben auch nur mehr oder weniger. Dazu kam die Demenz des Protagonisten, was mir teilweise auch eher als ein nicht ganz ausgereifter Aspekt der Geschichte erschien. Alles passte eher so mittelm\u00e4\u00dfig gut zusammen. Nette Lekt\u00fcre, aber kein Must-Read und mit 24\u20ac tats\u00e4chlich ein bisschen \u00fcberteuert. Solltet ihr das Buch gelesen haben, diskutiere ich im n\u00e4chsten Abschnitt ein paar Einzelheiten der Geschichte, die das Buch f\u00fcr mich interessanter gemacht haben, jedoch das Leseerlebnis etwas spoilen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Habt ihr das Buch gelesen? Hat es euch gefallen? Plant ihr es zu lesen?<\/p>\n<h4>Diskussion (Achtung, Spoiler)<\/h4>\n<p>Wie schon erw\u00e4hnt wurde meine Lekt\u00fcre dominiert von der Frage &#8220;WIESO?&#8221;. Wieso tut meine Mutter sowas? Leider habe ich darauf in\u00a0<em>Idaho<\/em> keine Antwort gefunden. Vielleicht, weil es keine gibt. Vielleicht aber auch, weil die Mutter es gar nicht getan hat.<\/p>\n<p>June wurde im Buch beschrieben als verr\u00fcckt nach Jungs, \u00e4lteren Jungs. Sie riecht nach nerv\u00f6sem Tier und hat hin und wieder Ausbr\u00fcche. Das Kapitel mit Elliot deutet darauf hin, dass SIE es war, die den Rucksack ihres \u00e4lteren Schwarms auf dem kaputten Steg platziert hat, was dazu f\u00fchrte, dass er ins Wasser einbrach, dort klemmen blieb und ein Bein verlor. Hatte June psychopathische Z\u00fcge? Sie stritt sich h\u00e4ufig mit ihrer Schwester und das Verh\u00e4ltnis war zunehmend schwierig. Hat June May umgebracht und die Mutter stand daf\u00fcr ein, um sie zu sch\u00fctzen?<\/p>\n<p>Warum ist June weggelaufen, ohne dass sie je gefunden wurde? Klar, sie lief weg aus Angst, aber wieso konnte sie kein Suchtrupp je finden? Ein Kind kann unm\u00f6glich so gut versteckt gewesen sein, au\u00dfer es wollte nicht gefunden werden. Vielleicht, weil eben sie die Schuldige war.<\/p>\n<p>Die alternative, die Ann sich ausmalte, wurde f\u00fcr mich zunehmend unrealistisch. Ann spekulierte, dass Wade schon lange in sie verliebt war und das Lied, welches Ann ihm beibrachte, May irgendwie zu Ohren gekommen war, sodass sie es an jenem furchtbaren Tag sang. Das hat in Anns Vorstellung die Mutter Jenny so w\u00fctend gemacht, dass sie May erschlug, weil sie glaubte Wade k\u00f6nnte eine Aff\u00e4re mit Ann haben. Aber wie viele Aspekte der Geschichte scheint mir diese M\u00f6glichkeit ein reines Produkt von Anns Fantasie, die sich auf die meisten Dinge aus Wades Vergangenheit keinen klaren Reim machen kann und daher jeden erdenklichen Strohhalm ergriff, um die Geschichte um was &#8220;Wieso?&#8221; zu Ende zu spinnen.<\/p>\n<p>Es wird wohl keine eindeutigen Antworten auf all die Fragen, die Idaho aufwirft, geben.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Idaho | Emily Ruskovic<\/strong><b>\u00a0|\u00a0<\/b>Hanser Berlin |\u00a0377 Seiten<br \/>\nISBN: 9783446258532 | 24,00\u20ac<\/p>\n<hr \/>\n<h4><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Sterben bedeutet nur, sich zu\u00a0erinnern, dass man stirbt.&#8221; Eine Familie, Mutter, Vater und die beiden T\u00f6chter, gehen an einem hei\u00dfen Sp\u00e4tsommertag Feuerholz hacken. 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