{"id":424,"date":"2017-11-26T14:22:07","date_gmt":"2017-11-26T13:22:07","guid":{"rendered":"http:\/\/bibliophilie.org\/?p=424"},"modified":"2019-06-04T22:58:53","modified_gmt":"2019-06-04T20:58:53","slug":"joanne-k-rowling-ein-ploetzlicher-todesfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/insipid.de\/?p=424","title":{"rendered":"Joanne K. Rowling &#8211; Ein Pl\u00f6tzlicher Todesfall"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-431 aligncenter\" src=\"http:\/\/bibliophilie.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_4364web.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1333\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_4364web.jpg 2000w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_4364web-300x200.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_4364web-768x512.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_4364web-700x467.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_4364web-960x640.jpg 960w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_4364web-1400x933.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-375 aligncenter\" src=\"http:\/\/bibliophilie.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"15\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb.jpg 2670w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb-300x49.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb-768x125.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb-700x114.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb-960x156.jpg 960w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb-1400x228.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 100px) 100vw, 100px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>The mistake ninety-nine percent of humanity made, as far as Fats could see, was being ashamed of what they were; lying about it, trying to be somebody else.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ein Pl\u00f6tzlicher Todesfall | Joanne K. Rowling | Carlsen Verlag | 2012 | 576 Seiten<br \/>\n<\/strong>ISBN: 3551588880 | 24,90\u20ac<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><!--more--><\/p>\n<h4>Worum geht&#8217;s?<\/h4>\n<p>Barry Fairbrother, gesch\u00e4tztes Mitglied der Gemeinde von Pagford, Familienvater, Gemeinderat und engagierter Aktivist f\u00fcr soziale Gerechtigkeit stirbt pl\u00f6tzlich und unerwartet an einem Aneurysma. Die Gemeinde ger\u00e4t in Aufruhr, jetzt wo sein Platz im Gemeinderat unbesetzt ist beginnt ein verbissener Wahlkampf zweier konkurrierender Lager in der hiesigen Lokalpolitik. Das Buch begleitet die in das Geschehen verwickelten Dorfbewohner Pagfords durch diese aufreibende Zeit und sehr bald schon geht es um mehr, als nur einen Sitz im Gemeinderat.<\/p>\n<h4>Spoilerfreie Rezension<\/h4>\n<p>Seit dieses Buch im Jahre 2012 die Buchl\u00e4den mit seiner grellrote\/gelben Farbe bereicherte, stand es auf meiner &#8220;Unbedingt lesen&#8221;-Liste. Es rutschte zeitweise relativ weit nach unten, immer kam etwas dazwischen, fast hatte ich es vergessen. Aber Leute, ich bin so verschissen froh, dass ich es endlich gelesen habe. Ich denke noch nie ware 5 Sterne so gerechtfertigt wie bei diesem Buch.<\/p>\n<p>Anfangs f\u00fchlte ich mich leicht \u00fcberfordert. Auf den ersten 50 Seiten werden wirklich viele Charaktere eingef\u00fchrt, es ist relativ schwierig den \u00dcberblick zu behalten. Aber wenn man das erstmal \u00fcberstanden hat, wird man mit einer wahnsinnig liebevoll ausget\u00fcftelten Charakter-Konstellation belohnt, die einfach so wunderbar greift, dass man nun von jedem Charakter ein sehr genaues Bild bekommt.<\/p>\n<p>Die Charaktere sind erfrischend real. Die meisten sind nicht wirklich auf den ersten Blick sympathisch, aber das macht die Geschichte eigentlich erst interessant. Im Mittelpunkt stehen knapp 7 Familien, jede von ihnen tief verstrickt in die Angelegenheiten Pagfords und somit alle mehr oder weniger miteinander verbunden. Sie alle haben Geheimnisse, Marotten und eine ausgesprochen intakte Fassade. Mit Ausnahme vielleicht der Weedon-Familie, die zu den unterprivilegierten des Ortes geh\u00f6rt und nicht besonders geachtet wird.<\/p>\n<p>Mrs. Rowling schafft es in diesem fast 600-Seiten Schinken hervorragend mit ihrer tollen Erz\u00e4hlweise ohne viel Plot eine Wahnsinns-Geschichte zu entfalten, die vorwiegend von den detaillierten Charakteren lebt und dem wunderbaren Dorf-Charm Seite f\u00fcr Seite die Maske vom Gesicht rei\u00dft. Sie zeigt uns das intrigante, feindselige Wesen der Dorfgemeinschaft hinter der so freundlichen Fassade. Das wirklich beeindruckende und erschreckende daran ist, dass sie so <em>normal<\/em> sind. Die meisten dieser negativen Verhaltensweisen k\u00f6nnten von mir oder dir genauso erwartet werden, das bekommt dann im Aggregat eine Eigendynamik, die zu diesem unglaublich miserablen und hinterh\u00e4ltigem Gemeinschaftscharakter f\u00fchrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle mit schwachen Nerven sollte vielleicht noch gesagt werden, dass es in diesem Buch unter anderem um Vergewaltigung, Drogenmissbrauch, Kindesverwahrlosung und psychische Krankheiten geht.<\/p>\n<p>Eine Kleinigkeit w\u00fcrde ich zu guter letzt noch ansprechen. Diese Buch hat auf Goodreads eine durchschnittliche Bewertung von 3,28. Das ist schon ziemlich schlecht. Ich habe mir mal die negativen Rezensionen durchgelesen und las einen Satz wieder und wieder. &#8220;This is nothing like Harry Potter&#8221;. Es macht mich traurig, dass der Ruf dieses tollen Buches darunter leiden muss, dass einige das Werk nicht vom Autor trennen k\u00f6nnen und sich auf einer pers\u00f6nlichen Ebene angegriffen f\u00fchlen, wenn ein Buch eines Autors nicht ist wie ein anderes. Wenn du einen weiteren Harry Potter erwartest, dann lies dieses Buch bitte nicht, das ist Miene pers\u00f6nliche Empfehlung.<\/p>\n<p>Habt ihr das Buch gelesen? Plant ihr es zu lesen? Wie hat es euch gefallen?<\/p>\n<h4>Diskussion &#8211; Der Umgang mit unterprivilegierten (Achtung, Spoiler)<\/h4>\n<p>In dieser Diskussion w\u00fcrde ich vor allem gern \u00fcber die Weedon-Familie sprechen. Sie nimmt meiner Meinung nach eine zentrale Rolle. Die als asozial beschriebene Familie mit der heroins\u00fcchtigen Mutter, der darunter leidenden Krystal und dem weitgehend verwahrlosten Robbie ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, dass diejenigen, die am meisten Hilfe brauchen in unserer Gesellschaft eher ausgesto\u00dfen werden und gar als Schandfleck gelten.<\/p>\n<p>Helmut Kohl hat mal gesagt: <em>&#8220;Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schw\u00e4chsten Mitgliedern umgeht.&#8221;\u00a0<\/em>Das passt meiner Meinung nach ganz gut in den Kontext. Viele der Pagforder Einwohner sehen an jenem Tag von Robbies tragischem Tod den kleinen Jungen herumirren. Ob er ignoriert wird, weil er verwahrlost aussieht oder einfach nur, weil sie den dreij\u00e4hrigen nicht kennen, ist unklar. Jedoch ist es bezeichnend daf\u00fcr, dass die Gesellschaft sich um die schw\u00e4chsten aller Mitglieder &#8211; Kinder &#8211; nicht sonderlich schert, es sei \u00a0denn, es sind die eigenen.<\/p>\n<p>Auch die Anti-Fields-Position in der Gemeinde ist eine typische, die man auch in unserer Gesellschaft finden kann. Aussagen nach dem Motto &#8220;Die sind alle faul, die verderben unsere Kinder, die werden sich nie \u00e4ndern.&#8221; h\u00f6rt man st\u00e4ndig aus bestimmten konservativen Lagern. Aufsteiger, wie Barry Fairbrother einer war, werden gemeinhin als Ausnahmen gesehen, die nicht repr\u00e4sentativ f\u00fcr das Potenzial armer Menschen sind.<\/p>\n<p>Das ganze Buch ist darauf ausgerichtet dem idyllischen Gemeindeleben hinter die Fassade zu schauen und meiner Meinung nach ist da der Umgang mit dem Armenviertel Fields und stellvertretend daf\u00fcr der Umgang mit der Weedon-Familie essentiell. Ich fasse daher J.K. Rowlings ziemlich geniales Werk als Gesellschaftskritik auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The mistake ninety-nine percent of humanity made, as far as Fats could see, was being ashamed of what they were; lying about it, trying to be somebody else. Ein Pl\u00f6tzlicher Todesfall | Joanne K. 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