{"id":371,"date":"2017-11-01T18:04:06","date_gmt":"2017-11-01T17:04:06","guid":{"rendered":"http:\/\/bibliophilie.org\/?p=371"},"modified":"2019-06-04T22:58:53","modified_gmt":"2019-06-04T20:58:53","slug":"ray-bradbury-fahrenheit-451","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/insipid.de\/?p=371","title":{"rendered":"Ray Bradbury &#8211; Fahrenheit 451"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-374\" src=\"http:\/\/bibliophilie.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_3934web-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1333\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_3934web-1.jpg 2000w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_3934web-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_3934web-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_3934web-1-700x467.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_3934web-1-960x640.jpg 960w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_3934web-1-1400x933.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-375 aligncenter\" src=\"http:\/\/bibliophilie.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"15\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb.jpg 2670w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb-300x49.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb-768x125.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb-700x114.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb-960x156.jpg 960w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/5-Sterneb-1400x228.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 100px) 100vw, 100px\" \/><\/h4>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00bbI haven&#8217;t any friends. That&#8217;s supposed to prove I&#8217;m abnormal.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00bbThere must be something in books, things we can&#8217;t imagine, to make a woman stay in a burning house; there must be something there. You don&#8217;t stay for nothing.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<h4>Spoilerfreie Rezension<\/h4>\n<p>So lange lag dieses Buch nun schon auf meinem Stapel ungelesener B\u00fccher und endlich ist es ausgelesen.\u00a0<em>Fahrenheit 451\u00a0<\/em>von\u00a0<em>Ray Bradbury,\u00a0<\/em>erstmals erschienen im Jahr 1953, handelt vom <i>Feuerwehrmann\u00a0<\/i>Guy Montag. Als Feuerwehrmann in Bradburys Dystopie hat er jedoch nicht die konventionelle Aufgabe Feuer zu l\u00f6schen, sondern mit Feuer bestimmte Gefahren zu abzuwehren. Kurz: die Feuerwehr legt Feuer, um B\u00fccher zu verbrennen. Denn B\u00fccher werden in jener Gesellschaft von der Regierung und leider auch der Mehrheit der Menschen als Quelle allen Ungl\u00fccks gesehen. Denken steht in dieser Gesellschaft nicht besonders hoch im Kurs, die Menschen lassen sich lieber von multimedialen Unterhaltungsangeboten berieseln.<\/p>\n<p>Guy Montag verbrennt also hauptberuflich B\u00fccher, seine Frau ist s\u00fcchtig danach den Tag vor ihrem drei W\u00e4nde umfassende Fernseher zu verbringen. Beide sind systemh\u00f6rig bis Guy von einem Nachbarsm\u00e4dchen dazu gebracht wird die Dinge zu hinterfragen. Er f\u00e4ngt an bei den Verbrennungen B\u00fccher zu stehlen und beginnt mit einem befreundeten alten Professor, einem Angeh\u00f6rigen der in der Dystopie nun verachteten Intellektuellen, Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung der Gesellschaft zu schmieden.<\/p>\n<p>Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich fand es erfrischend realistisch. Es war eben nicht so, dass die Regierung irgendwann B\u00fccher verbot und alle sich daran halten mussten, sondern die Menschen hatten von allein aufgeh\u00f6rt zu lesen. Die Gesellschaft hatte sich gewandelt, Belesenheit wurde nicht mehr als tugendhaft, sondern als negativ betrachtet. Zu viel Denken und sich fiktiven Geschichten hinzugeben galt als merkw\u00fcrdig oder gar als asozial. Ich halte das Buch nicht f\u00fcr eine Prognose in die Zukunft, aber etwas \u00c4hnliches passiert schon jetzt. Immer weniger Menschen lesen, die meisten haben keine Zeit, keine Mu\u00dfe, keine Ruhe. Mediale Unterhaltungsangebote f\u00fcr die man immer weniger Konzentration braucht, die einen nur berieseln, werden immer mehr und immer pr\u00e4senter in unser aller Leben. Dennoch betrachten zum Gl\u00fcck die meisten Menschen Lesen immer noch als etwas Positives und als erstrebenswert.<\/p>\n<p>Ich will nicht direkt sagen, dass\u00a0<em>Fahrenheit 451\u00a0<\/em>mich wachger\u00fcttelt h\u00e4tte, aber es hat nat\u00fcrlich meine bestehende Meinung best\u00e4tigt. B\u00fccher sind wichtig, Kritik ist wichtig. Manchmal muss man eben mit unbequemen Material konfrontiert werden, es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen in der Welt. Indem wir uns in unserer Freizeit nur mit Larifari-Themen besch\u00e4ftigen und alles negative und schwierige nur verdr\u00e4ngen, werden wir immer oberfl\u00e4chlicher und ignoranter.<\/p>\n<h4><strong>Spoilerfreie Diskussion<\/strong><\/h4>\n<p>Heute will ich nicht wie sonst Details des Buches diskutieren, sondern vielmehr unseren Umgang mit Literatur, daher ist das die Diskussion zur Abwechslung komplett spoilerfrei.<\/p>\n<p>Am Ende ist die Geschichte nat\u00fcrlich &#8220;nur&#8221; Science Fiction. Feuerwehrm\u00e4nner, die Feuer legen &#8211; absurd. Das alles ist nat\u00fcrlich mit allen Einzelheiten kaum auf die reale Welt zu \u00fcbertragen. Dennoch l\u00f6ste das Buch bei mir ein generelles Nachdenken \u00fcber die Rolle der Literatur in unserer Gesellschaft aus. Was bedeutet uns denn Literatur, welche Aufgabe hat sie und welche vielleicht auch nicht?<\/p>\n<p>Literatur hat nicht die Aufgabe gl\u00fccklich zu machen, das steht f\u00fcr mich fest. Das allerdings ist der gr\u00f6\u00dfte Kritikpunkt der dystopischen Regierung an der Literatur. In einer Gesellschaft, in der jeder immer happy sein soll, in der sich alles nur darum dreht sein Gl\u00fcck zu finden und sich selbst auf dem Weg dahin zu optimieren muss eben jedes Unterhaltungsmedium die Aufgabe erf\u00fcllen die Menschen gl\u00fccklich zu machen. Das Ganze ist nat\u00fcrlich eine sehr oberfl\u00e4chliche Betrachtung, denn Fernsehen macht schlie\u00dflich auch nicht gl\u00fccklich, aber es hat den Vorteil, dass der Betroffene wenigstens nicht so intensiv dar\u00fcber nachdenkt, dass er nicht gl\u00fccklich ist und es bestenfalls einfach nicht wahrnimmt.<\/p>\n<p>Ehrlich gesagt denke ich, dass Literatur \u00fcberhaupt keine Aufgabe hat. Die einzige Aufgabe, die man B\u00fcchern im Entferntesten zuschreiben k\u00f6nnte, w\u00e4re die der Unterhaltung oder Bildung. Kaum jemand mag ein Buch zu Ende lesen, das nicht auf irgendeine Weise einen gewinnbringenden Zeitvertreib darstellt. Aber das ist ja mal wieder h\u00f6chst subjektiv. Im Endeffekt hat wohl jedes Buch irgendeine Existenzberechtigung.<\/p>\n<p>Jeder von uns hat vermutlich andere Anforderungen an Literatur und das ist auch v\u00f6llig in Ordnung, solange niemand versucht seine intrinsische Sicht als die objektive Wahrheit per Gesetz f\u00fcr jeden gleicherma\u00dfen zu implementieren. Leider lese ich in letzter Zeit h\u00e4ufig, dass B\u00fccher als &#8220;problematisch&#8221; bezeichnet werden, dass gar dazu geraten wird sie zu meiden oder gar den Autor zu boykottieren, meistens aus Gr\u00fcnden von\u00a0<em>political correctness.<\/em> Insgesamt ist es gut kontroverse Inhalte zu diskutieren, aber ich halte es f\u00fcr falsch B\u00fccher deswegen gezielt zu boykottieren oder gar zu verbieten und zu zensieren, denn dann ist der Weg zu B\u00fccherverbrennungen nicht mehr weit.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fahrenheit 451 | Ray Bradbury | Harper Voyager | 2013 | 227 Seiten<br \/>\n<\/strong>ISBN:\u00a00007491565 | 13,99\u20ac<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbI haven&#8217;t any friends. That&#8217;s supposed to prove I&#8217;m abnormal.\u00ab \u00bbThere must be something in books, things we can&#8217;t imagine, to make a woman stay in a burning house; there must be something there. 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