{"id":230,"date":"2017-09-04T11:12:17","date_gmt":"2017-09-04T09:12:17","guid":{"rendered":"http:\/\/bibliophilie.org\/?p=230"},"modified":"2019-06-04T22:58:53","modified_gmt":"2019-06-04T20:58:53","slug":"patrick-sueskind-der-kontrabass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/insipid.de\/?p=230","title":{"rendered":"Patrick S\u00fcskind &#8211; der Kontraba\u00df"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Bewertung\u00a0<img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-208\" src=\"http:\/\/bibliophilie.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5-Sterne-300x49.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"15\" srcset=\"https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5-Sterne-300x49.jpg 300w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5-Sterne-768x125.jpg 768w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5-Sterne-700x114.jpg 700w, https:\/\/insipid.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5-Sterne.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 100px) 100vw, 100px\" \/><\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Spoilerfreie Rezension<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin mittlerweile ein bekennender S\u00fcskind Fan. \u00c4hnlich wie\u00a0<em>Die Taube\u00a0<\/em>ist auch\u00a0<em>Der Kontraba\u00df<\/em> nur ein kurzes Vergn\u00fcgen. Das 1981 uraufgef\u00fchrte Ein-Mann-St\u00fcck besteht nur aus einem Akt und demnach auch nur aus 96 zugegebenerma\u00dfen sp\u00e4rlich bedruckten Seiten. Das ganze ist also durchaus an einem Abend zu schaffen.<\/p>\n<p>Es geht um einen verbeamteten Kontrabassisten, der von seinem Spagat zwischen dem spie\u00dfb\u00fcrgerlichen Habitus eines Beamten und der Sehnsucht nach einem pomp\u00f6sen K\u00fcnstlerdasein erz\u00e4hlt. Er malt ein komisches Bild von der innigen Beziehung mit seinem Instrument, welche sich gewisserma\u00dfen durch eine Art Hassliebe auszeichnet und eigentlich nur durch eine Rebellion gegen das Elternhaus \u00fcberhaupt zu Stande gekommen ist. Er beschreibt, wie er selbst im Orchester noch \u00fcber dem Dirigenten stehe und dass ihn an Wichtigkeit im Grunde niemand \u00fcbertreffen k\u00f6nne, wobei er sich dessen im Laufe des Buches immer unsicherer zu sein scheint.<\/p>\n<p>Auch wenn ich oft meine Schwierigkeiten mit dem Lesen von Theaterst\u00fccken habe, war ich positiv \u00fcberrascht. S\u00fcskinds einzigartiges Talent auch in Schriftform die Komik der Situation auf den Punkt zu bringen ist wirklich eine Freude. Dies ist meiner Meinung nach eines der B\u00fccher, bei denen man nach dem Weglegen denkt:\u00a0<em>Wieso k\u00f6nnen nicht alle B\u00fccher so sein?<\/em><\/p>\n<p>Auf dem Buchr\u00fccken hei\u00dft es <em>Der Kontraba\u00df<\/em> sei\u00a0<em>Millieukomik<\/em> und das beschreibt das Werk ganz gut. Wir begleiten den Protagonisten auf einer Art Erkenntnisprozess \u00fcber das eigene Dasein, herrlich erz\u00e4hlt und sehr am\u00fcsant.<\/p>\n<p><strong>Diskussion (Achtung, Spoiler)<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst hat mich der Kontrabassist sehr am\u00fcsiert. Sein wahnsinniger \u00dcbermut und die komische Art und Weise haben mich belustigt und w\u00e4re es nur dabei geblieben h\u00e4tte das Buch vermutlich schon 4 Sterne von mir bekommen. Als dann aber mehr und mehr klar wird, dass er eigentlich niemals Kontrabass spielen wollte, dass ihn das Instrument physisch und psychisch behindert, fand ich das gro\u00dfartig. Das war definitiv eine Bereicherung f\u00fcr seinen Charakter und verlieh ihm etwas mehr Tiefgang. Ich h\u00e4tte es nicht vermutet, aber es hat mich einigerma\u00dfen ber\u00fchrt, wie der arme Mann schildert, dass aufgrund seines f\u00fcr die meisten uninteressanten Instruments seine heimliche Liebe Sarah f\u00fcr ihn unerreichbar ist und er mit ihr nicht einmal musizieren kann, da f\u00fcr sie gemeinsam kein einziges passendes St\u00fcck existiert.<\/p>\n<p>Es ist im Grunde eine Geschichte dar\u00fcber wie ungl\u00fccklich es jeden machen kann, wenn man im Leben einfach das falsche tut und es aus Furcht vor dem Wagnis eines Neuanfangs einfach immer weiterf\u00fchrt. Eine Zeit lang redet man sich das sch\u00f6n, man betont gar \u00fcberm\u00e4\u00dfig wie gut es einem geht mit dem was man tut, wie wichtig man selbst und seine T\u00e4tigkeit sind, nur damit andere nicht auf die Idee kommen, dass man die falsche Entscheidung getroffen haben k\u00f6nnte oder gar ungl\u00fccklich oder erfolglos ist. Der Kontrabassist versucht dieses Gef\u00fchl zu kompensieren, indem er sich als untersch\u00e4tzt beklagt, den Fehler bei anderen sucht, nicht aber bei ihm selbst.<\/p>\n<p>Bei diesem S\u00fcskind bin ich &#8211; mal wieder &#8211; ein Fan vom Ende. Wie schon in der Taube ist das Ende begleitet von Selbsterkenntnis und dem Mut etwas zu ver\u00e4ndern. Der Musiker nimmt sich vor in der Vorstellung laut nach seiner Sarah, der S\u00e4ngerin, in die er verliebt ist, zu schreien. Und so merkw\u00fcrdig und unproduktiv sich das anh\u00f6rt, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Er setzt die richtigen Priorit\u00e4ten und ist bereit seinen unliebsamen Beruf aufzugeben, um sich endlich zu trauen. Sich zu trauen seine Sarah anzusprechen (zugegeben auf einem etwas unkonventionellem Weg), sich zu trauen das altbekannte, ungeliebte aufzugeben und sich selbst einzugestehen, dass nicht immer alles so bleiben sollte, wie es immer war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin mittlerweile ein bekennender S\u00fcskind Fan. \u00c4hnlich wie\u00a0Die Taube\u00a0ist auch\u00a0Der Kontraba\u00df nur ein kurzes Vergn\u00fcgen. Das 1981 uraufgef\u00fchrte Ein-Mann-St\u00fcck besteht nur aus einem Akt und demnach auch nur aus 96 zugegebenerma\u00dfen sp\u00e4rlich bedruckten Seiten. 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