{"id":197,"date":"2017-09-03T15:04:28","date_gmt":"2017-09-03T13:04:28","guid":{"rendered":"http:\/\/bibliophilie.org\/?p=197"},"modified":"2019-06-04T22:58:53","modified_gmt":"2019-06-04T20:58:53","slug":"patrick-sueskind-die-taube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/insipid.de\/?p=197","title":{"rendered":"Patrick S\u00fcskind &#8211; Die Taube"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Bewertung \u00a0\u00a0<img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-208 alignnone\" src=\"http:\/\/bibliophilie.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5-Sterne-300x49.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"22\" \/><\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Spoilerfreie Rezension<\/strong><\/p>\n<p>Ein kurzes, aber nicht minder lesenswertes Vergn\u00fcgen ist mit seinen nur knapp hundert Seiten Patrick S\u00fcskinds Novelle \u201eDie Taube\u201c aus dem Jahre 1987.<\/p>\n<p>Der Protagonist Jonathan Noel lebt einfach und zur\u00fcckgezogen seit Jahren im gleichen kleinen Zimmer und arbeitet als Wachmann bei einer Pariser Bank. Sein Leben verl\u00e4uft recht gleichf\u00f6rmig bis \u201edie Sache mit der Taube\u201c passiert. Mehr will ich \u00fcber den Inhalt auch gar nicht verraten, damit sie spoilerfrei bleibt.<\/p>\n<p>Jonathan Noel ist so anders als alle anderen und bietet doch so viel Identifikationspotential und bringt uns dazu unsere eigenen Muster, in denen wir uns vielleicht festgefahren haben ohne es zu merken, zu \u00fcberdenken. Ein gro\u00dfartiges Lesevergn\u00fcgen f\u00fcr zwischendurch, das sogar ab und an einen Anlass zum Schmunzeln bietet.<\/p>\n<p><strong>Diskussion *Achtung, Spoiler*<\/strong><\/p>\n<p>Jonathan Noel stellt meiner Meinung nach eine karikierte Version von uns allen dar, dem Otto-Normalb\u00fcrger. Wir alle sind in gewisser Weise Gewohnheitstiere, wir stellen uns auf bestimmte Situationen und Abl\u00e4ufe ein und f\u00fchlen uns gest\u00f6rt, wenn diese gest\u00f6rt werden.\u00a0 H\u00e4ufig regt man sich dar\u00fcber zu sehr auf, regt sich generell \u00fcber Kleinigkeiten zu sehr auf und vergisst, wie sch\u00f6n das Leben eigentlich sein kann.<br \/>\nJonathan malt nat\u00fcrlich beim Auftauchen der Taube sofort den Teufel an die Wand, er bereitet sich auf das Schlimmste vor. Der Stress, der dabei entsteht sofort derart \u00fcberzureagieren, verdirbt ihm den ganzen Tag. Er kann nicht konzentriert arbeiten, seine Mittagspause nicht so verbringen wie er es gern getan h\u00e4tte, seine unberechtigten Existenz\u00e4ngste treiben ihm derart in den Wahnsinn, dass jedes weitere winzige Ungl\u00fcck an jenem Tag ihm wie eine eigene Apokalypse erscheint. Er steigert sich eben rein. Dann rei\u00dft auch noch die Hose, dann hat auch noch die Schneiderin keine Zeit &#8211; was f\u00fcr ein Tag. Ich habe mich beim Lesen ein bisschen ertappt gef\u00fchlt, denn h\u00e4ufig begehe ich den gleichen Fehler jede Kleinigkeit auf einen gedanklichen Haufen mit der Aufschrift &#8220;Das ist heute schief gelaufen&#8221; zu legen, was einem am Ende des Tages nichts weiteres einbringt als Stress und Frust.<\/p>\n<p>Hin und wieder las ich \u00fcber dieses Buch im Internet es sei \u201ekafkaesk\u201c und in gewisser Weise stimmt das auch. Die fatalistische Einstellung des Protagonisten und die Reihe ung\u00fcnstiger Ereignisse sind durchaus als kafkaesk zu beurteilen, jedoch ist es das Ende, was nicht nur die kafkasche Tradition des absoluten Ungl\u00fccks durchbricht, sondern mich pers\u00f6nlich auch besonders gefreut hat. Dass Jonathan schlie\u00dflich in seien Wohnung zur\u00fcckkehrt und eine gesunde Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber Nichtigkeiten erlangt hat und sich sogar im str\u00f6menden Regen auf die Stra\u00dfe wagt, ist wirklich ein Gewinn f\u00fcr die Geschichte. In seiner Wohnung, die mittlerweile nicht mehr von der Taube heimgesucht ist, angekommen erkennt er, wie verzichtbar das ganze Drama, dass er gewisserma\u00dfen selbst erst initiiert hat, gewesen ist. Au\u00dferdem ist Jonathan in seinem Wahnsinn trotzdem eine wahnsinnig sympathische Figur, die man zwar immer wieder mal mit einem &#8220;Rei\u00df dich zusammen&#8221; auf den richtigen Weg weisen will, die aber trotzdem sehr sympathisch ist.\u00a0Ich musste beim lesen sehr h\u00e4ufig an Mr. Monk aus der gleichnamigen Fernsehserie denken, da ergeben sich viele Parallelen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kurzes, aber nicht minder lesenswertes Vergn\u00fcgen ist mit seinen nur knapp hundert Seiten Patrick S\u00fcskinds Novelle \u201eDie Taube\u201c aus dem Jahre 1987.<\/p>\n<p>Der Protagonist Jonathan Noel lebt einfach und zur\u00fcckgezogen seit Jahren im gleichen kleinen Zimmer und arbeitet als Wachmann bei einer Pariser Bank. Sein Leben verl\u00e4uft recht gleichf\u00f6rmig bis \u201edie Sache mit der Taube\u201c passiert. 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